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Tierschutzverein Polarhunde e.V.

 

 


Tierschutzverein Nothilfe Polarhunde e.V.
Der Gründung des Vereins Nothilfe für Polarhunde e.V. 1995 gingen viele Jahre privater Tierschutzarbeit voraus, die trotz aller Liebe zu den Nordischen Hunden und dem Mitgefühl mit jedem einzelnen in Not geratenen Tier, an ihre Grenzen gestoßen war.
Denn um helfen zu können, braucht es neben der Möglichkeit und Zeit auch einiges an finanziellen Mitteln für Impfungen, für nötige Tierarztbehandlungen und nicht zuletzt für die vielen Kilometer, die gefahren werden müssen, um dort zu helfen, wo es nötig ist.
Darüber hinaus braucht es, wenn man seine Arbeit gut macht und immer öfter „weiterempfohlen“ wird, auch ein Mehr an Unterbringungsmöglichkeiten für Schützlinge als in den privaten Haushalten der Engagierten zur Verfügung gestellt werden kann.
An einem solchen Punkt angelangt wurde aus dem bis in die 80er Jahre zurückgehenden, privaten Hilfsprojekt der bundesweit arbeitende Verein Nothilfe für Polarhunde e.V. gegründet.
Heute hat der Verein rund vierhundert Mitglieder, von denen sich viele aktiv als Pflegestellen, mit Fahrdiensten, Platzkontrollen, dem Aufstellen und Betreuen von Spendendosen oder der Betreuung von Informationsständen für die Nordischen Hunde einsetzen.
Trotz aller Aufklärungsarbeit über die einzelnen Rassen und deren Haltung ist die im Schwarzwald bei Horb aufgebaute Auffangstation, in der die Hunde in Kleingruppen gehalten werden, noch längst nicht überflüssig geworden. Ganz im Gegenteil, die Vielzahl der in Not geratenen Tiere hat in 2006 den Aufbau einer zweiten Station in Schleswig-Holstein angestoßen, deren Ausbau dank unermüdlicher Ehrenamtlicher kontinuierlich voranschreitet.
Finanziert wird die gesamte Tierschutzarbeit aus Spendengeldern und durch Kooperation mit der aktion tier – menschen für tiere e.V.. Ohne diese wäre, über Hilfe aus öffentlicher Hand verfügt der Verein nicht, ein Engagement wie das derzeitige nicht durchführbar.

Aber warum nun Nordische Hunde? Bei allen am Anfang stand das Interesse an diesen Rassen, die Anfang der 80er Jahre in Deutschland noch weitgehend unbekannt waren. Es gab zwar eine Schlittenhunde-Szene, die die Hunde ihrer eigentlichen Berufung nach, nämlich zur Zug-Arbeit, einsetzte, aber nur wenige Hunde lebten in privater Hand. Und so war für diejenigen, die mehr wissen wollten, wenig an Literatur zu finden, wie man denn den Umgang mit diesen charaktervollen Hunden handhaben, gestalten könnte. In einer Zeit ohne die heutigen Möglichkeiten des Internets war es schwierig, Kontakt zu anderen Besitzern solcher Hunde und Zugang zu deren Erfahrungen herzustellen. Die Personen, die später den Verein NfP gründen sollten, führte eine Zeitschrift zusammen über eine Telefonaktion mit dem Verhaltensforscher Eberhard Trumler. So einmal in Austausch miteinander besuchte man gemeinsam auch Rennen, um die Hunde bei der Tätigkeit zu erleben, für die sie gezüchtet worden waren und wurde dort sensibilisiert für die Probleme, die sich ergeben, wenn diese Tiere als reine Sportgeräte angesehen werden. Denn irgendwann ist selbst bei den besten Hunden das Alter erreicht, indem jüngere schneller und ausdauernder sind – nicht jeder Schlittenhundeführer war und ist dann bereit, das Gnadenbrot zu geben. So waren es anfangs also vor allem Hunde aus dem Sport, für die man ein neues Heim suchte. Mit der zunehmenden Popularität der Rassen Husky, Malamute, Grönländer und anderer in den folgenden Jahren wurden es zunehmend mehr Abgabe-Hunde aus privater Hand, die meisten angeschafft der Optik wegen - mit wenig oder gar keinen Kenntnissen über die rassebedingten Besonderheiten.
Einen Hund oder einen Nordischen wie den Husky zu halten ist dann zwar in manchem gleich, in vielem aber doch ganz unterschiedlich.
Es ist die Eigenverantwortlichkeit, die Unabhängigkeit der Nordischen, ihr großes Laufbedürfnis und ihr immenser Jagdtrieb, der sie besonders macht – gleichzeitig auch die wohl meist genannten Abgabegründe. Grade mangelnde Auslastung führt häufig dazu, dass eigentlich positive Eigenschaften, nämlich Neugier, Offenheit und ein gewisses fröhlich-erlebnishungriges Grundtemperament, dazu genutzt werden, sich selbst Beschäftigungen auszudenken - als Innendekorateur, als Garten-Flüchtling und Streuner, als unerbittlicher Jäger von Nachbars Katzen und Kleintieren.

In Sachen tagtäglicher Umgang ist eines der sich am längsten haltenden Ammenmärchen, dass man einen Nordischen Hund nicht erziehen könne. Man kann es natürlich, denn auch ein Husky ist ein Hund, aber man muss sich als Halter um ein vielfaches mehr ins Zeug legen als bei manch anderen Rassen. Einem Schlittenhund reicht die Anweisung „mach es“ nicht, diese aufgeweckten, intelligenten und selbständigen Hunde erwarten eine Begründung, also ein „mach es, weil“. Gewalt oder deren Androhung wird ein Nordischer Hund nicht dauerhaft als stichhaltige Begründung akzeptieren, Hunde, bei denen so vorgegangen wurde, landen immer wieder mit schwersten Verhaltensauffälligkeiten in der Vermittlung, abgegeben von Besitzern, die zuletzt oft regelrecht Angst vor ihren eigenwilligen Hunden hatten.
Ein Nordischer Hund kann nicht als Untergebener gesehen und behandelt werden, er ist ein Partner, der als solcher angenommen und verstanden werden will – nicht jeder Mensch kann sich damit arrangieren. Gerade Ersteinsteigern in die Nordischen Rassen raten die Vermittler daher oft, einen etwas älteren Hund zu wählen, da es hier ähnlich ist wie beim Wein, mit zunehmendem Alter nur gewinnend.

Denn alle Charaktereigenschaften sind noch vorhanden, doch nicht mehr mit der Unerbittlichkeit, der Kompromisslosigkeit der Jugend gepaart, sondern mit der Weisheit des zunehmenden Alters, die manches mildert und den Neulingen die Zeit lässt, sich langsam an das besondere, spezielle Wesen Nordischer Hund und seine Bedürfnisse heranzutasten.

Einer dieser älteren war Dawahoya Betalawis Fé Thashiro of Icewalk-Team, der acht Jahre lang als – wie beschrieben es seine späteren Besitzer in seinem Nachruf – „gepflegtes und gewartetes, aber wenig beachtetes Sportgerät“ lebte. Über die Zeit mit ihm berichteten sie: „Durch seine Souveränität, seine Gelassenheit und seinen feinen Charakter war es uns möglich, aus dem achtjährigen Welpen ohne jede Lebenserfahrung noch einen richtigen Hund zu machen, der spielte, tobte, schnüffelte, Löcher grub und und und. … Überall und immer bei seinem Rudel sein war seine Devise und dabei präsent ohne aufdringlich zu sein…. als Familienmitglied war er unschlagbar und unbeschreiblich.“ Einige Monate nach seinem Tod nahm sich die Familie auf Nachfrage des Vereins eines Welpenmädchens an, das ein Vermehrer nicht mehr untergebracht und auf einem Parkplatz einer Dame in die Hand gedrückt hatte, die gar nicht wußte, wie ihr geschah.

Für die heutigen Verhältnisse eigentlich typischer ist die Geschichte von Sarah, einer Husky-Malamute-Hündin, die in ihrem Leben durch viele Hände ging und mehrere Tierheimaufenthalte hatte. Das letzte Tierheim gab sie dann nach einer erneuten Fehlvermittlungen an den Verein ab, ein Hund, dessen Alter geschätzt und dessen Vorgeschichte weitgehend im Dunkeln lag. Für sie fanden sich Menschen ohne jede Erwartungshaltung, die nach Jahren in ihrem Nachruf schrieben „Sarah hat uns nur Freude bereitet. Wir haben keinen Augenblick bereut, uns für sie entschieden zu haben; obwohl sie bereits acht Jahre alt war, als wir sie holten; obwohl sie damals eine „graue unscheinbare Maus“ war; obwohl uns niemand Näheres über sie erzählen konnte; obwohl sie so oft krank war. Wir wissen nicht, was andere Leute dazu bewegt hat, sie abzuholen und wieder ins Tierheim zurückzubringen. Uns hätte nichts Besseres passieren können. Sie hat sich so problemlos in unser Leben eingefügt, wie wir es nie für möglich gehalten haben. Vielleicht war sie irgendwann einmal eine unscheinbare Maus – wir hatten einen selbstbewußten,
wunderschönen, intelligenten und (gegenüber Menschen zumindest) immer freundlichen, sanften Hund. In der Station noch „unsichtbar“, wurde sie bei uns ein fröhlicher Hund, der souverän und begeistert, aber trotzdem immer zurückhaltend alles mitgemacht hat und überall hin mitgenommen werden konnte: Besuche bei Freunden, Wandern, Kanufahren, Radfahren - Sarah hat immer alles richtig gemacht.“ (Sarah ist auf dem Foto zu sehen).

Vielleicht machen diese Zeilen deutlich, warum bis heute ein besonderer Augenmerk des Vereins auf der Hilfe für die älteren Nordischen liegt.

 

 

Viele Informationen zum Verein Nothilfe für Polarhunde e.V. und den Nordischen Hunden finden Sie im Internet unter www.polarhunde-nothilfe.com

 

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